Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias
Stichwort: Fülle

Die wirklich tragischen Lebensläufe sind nicht die von Pechvögeln und Unglücksraben, sondern die von denen, die alle Möglichkeiten hatten und sich nicht entscheiden konnten.

Angesichts der Fülle des Lebens überkommt uns die Gier, so viel davon mitzunehmen wie sich irgend bietet. Doch so entsteht keine Tiefe; die Jahre bleiben konturlos.

Eine junge Frau, begabt und gesund, will die Welt bereisen, Länder und Menschen kennenlernen. „Erfahrungen sammeln“ nennt sich das heute. Bevor es losgeht, erkrankt der Vater an Krebs. Die Tochter fragt sich, ob sie lieber in der Nähe bleiben sollte. Die Mutter rät ihr ab, getrieben von der Sorge, dass die Tochter ihre Chancen nicht nutzt.

Doch die entscheidet sich anders, heiratet, baut ein eigenes Haus in der Nähe, gründet Familie. Der Vater lebt zum Glück noch viele Jahre. Jeden Sonntag essen sie gemeinsam und trinken guten Wein auf das Leben.

Unbegrenzte Fülle hat nur Gott. Der Mensch würde das nicht ertragen. Grenzen wir die Möglichkeiten unseres Lebens jedoch ein und nehmen Abschied von dem, was „auch noch  alles hätte sein können“, machen wir Erfahrungen der Fülle. Und können sie dann auch auskosten.

mit vielen Grüßen aus Hohenmocker, Pastor Chr. Bauer

Die Andacht zum jeweiligen Sonntag wird am Freitag vorher veröffentlicht. Sie bezieht sich auf ein verbindendes Stichwort aus den gottesdienstlichen Lesungen (grüner Link oben).