Andacht zum Sonntag Invokavit
Stichwort: Verraten

Eine Liebe wie Mandel-Schokolade. Drei Jahre lang. Jetzt ist alles kaputt. Dass sie nebenher eine Affäre hat, kam eher aus Versehen raus. Er hätte es wohl nie gemerkt. Das Gespräch darüber war ernüchternd, ihre Ausreden einfallslos. Er fühlte sich verraten.

Als Christus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern hält, ist der Verräter mitten unter ihnen, seit Jahren. Er kennt alle Geheimnisse, er sitzt mit am Tisch. Die Römer wissen, dass jeder Mensch seinen schwachen Punkt hat. Für ein Säckchen Silbermünzen liefert er Christus ans Messer.

Es macht fassungslos, wenn man so verkauft wird. Wenn die gemeinsamen Werte nichts mehr zählen. Wenn sich alle Basis in Luft auflöst. „Hast lange gelauert auf deinen großen Sprung“, singt Grönemeyer in einem Song. „Aus mir Kapital geschlagen, für deinen Vorteil verkauft.“ Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Das schönste an der Versuchung sei das Nachgeben, haucht die Werbeindustrie. Gemeint sind zum Glück nur die berühmten Kleinigkeiten im Küchenschrank, oberstes Fach. Für die echten Versuchungen im Leben gelten andere Konsequenzen. Da wird das Nachgeben zum Alptraum.  Für die Anderen sowieso, aber meistens auch für mich selbst.

Mandel-Schokolade ist zum Naschen da. Jedenfalls die im Küchenschrank. Wenn das Leben und das Lieben ebenfalls ein bisschen nach Mandel-Schokolade schmecken sollen – und das wäre ja zu wünschen – dann tun Beziehungen gut, die von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt sind. Vor allem Anderen möge uns der liebe Gott behüten, so gut es in seiner Macht steht.

mit vielen Grüßen aus Hohenmocker, Pastor Chr. Bauer

Die Andacht zum jeweiligen Sonntag bezieht sich auf ein verbindendes Stichwort aus den gottesdienstlichen Lesungen (grüner Link oben).