Golchen

Zur Geschichte des Dorfes und seiner Kirche
Der Ort Golchen zählt mit zu den ältesten Dörfern unserer Region: Die erste urkundliche Erwähnung als „Saline Golchen“ fällt in das Jahr 1173 – im Zuge einer Aufzählung des Klosterbesitzes Dargun.
Die Kirche ist ein spätgotischer Bau aus dem 15. / 16. Jh. Der Backsteinsaal mit Strebepfeilern und jüngerem, eingezogenem Chor wurde zweimal stark überformt. Zunächst nach einem großen Brand im Jahre 1764 (Wiederaufbau ab 1767), dann erneut im 19. Jh. im Zuge einer Modernisierungsmaßnahme. In diese Zeit fällt die von außen noch deutlich zu erkennende Veränderung der Fenster, sowie die Einrichtung der „Brautpforte“ im Süden. Die Außenfassade wurde mit Putz- und Zierfriesen  geschmückt.

Schon von Weitem fällt der neubarocke Turm (1785) mit Fachwerkaufsatz und offener Laterne ins Auge. Sein schiefergedeckter „Helm“ wird von einer Wetterfahne aus dem Jahre 1725 gekrönt.

Innenraum
Als wichtigstes Handwerkerdorf der Region hat Golchen „seine“ Kirche häufiger als andernsorts grundlegend saniert und modernisiert. In die Mitte d. 20. Jh. fallen einige Arbeiten im Innenraum, die heute mitunter bedauert werden. So beseitigte man 1965 die Längsemporen und ließ das Altargestühl sowie den hochaufschießenden, bereits völlig maroden Schnitzaltar (1788, mit Ölgemälde um 1900) im Chorraum entfernen und ersetzte ihn durch eine helle, offene Gestaltung (s. Bilder). Andere Elemente wie Kanzel, Gestühl und Taufe blieben erhalten, wurden aber vereinfacht und neu im Innenraum arrangiert.

Grüneberg-Generationen-Orgel
Der Einbau der Orgel lässt sich auf wenige Jahre um 1830 eingrenzen. Der Erbauer war August Wilhelm Grüneberg, der Vater des berühmten Orgelbauers Barnin Grüneberg. Die Orgel ist heute eine von drei Orgeln in Vorpommern, die seiner Werkstatt entstammen, noch dazu die am besten erhaltene.  Nach wie vor ist der Aufbau der Klangstruktur barock. Seitdem haben vier Generationen der Orgelbauerfamilie Grüneberg an der Orgel gewirkt. Eine echte Rarität ist der originale Zimbelstern, der in seiner technischen Konstruktion noch erhalten ist. Leider fehlen die beweglichen Zierelemente an der Außenseite der Orgel. Im Jahr 2010 wurde das Instrument notdürftig instandgesetzt. Eine vollständige Restaurierung ist wünschenswert und wird durch die Gemeinde angestrebt.

Glocke
Im Kirchturm erklingt eine Glocke aus dem Jahr 1620, die aber eine auswärtige Ersatzglocke für die im Krieg abgelieferten Glocken ist. Sie wurde erst im Januar 1928 in Dienst genommen.

Der Namenszusatz „Friedenskirche“
Am 30. April 1945 stand Golchen unter Beschuss der heranrückenden sowjetischen Armee, bei dem 13 Menschen starben. Sie wurden in einem Massengrab bestattet. Auch die Ereignisse der darauffolgenden Tage forderten Opfer unter der Zivilbevölkerung, häufig durch Suizid. Wochenlang mussten Flüchtlinge und sämtliche  Einwohner in der unteren Hälfte des Dorfes wohnen. Die obere Hälfte diente der sowj. Kommandatur als Sitz. Zum 3. Advent 1947 beschloss der Kirchengemeinderat den Namen der Kirche auf  „Friedenskirche Golchen“ zu erweiteren, als Mahnung und zum Zeichen für kommende Generationen.

Im Jahr 2008 wurde die Geschichte des 30. April 1945 neu aufgearbeitet. Durch finanzielle Mittel des Innenministeriums des Landes MV entstand auf dem historischen Teil des Golchenener Friedhofs, wenige Meter links vom eigentlichen Ort des Massengrabs, eine Kriegsgräberstätte, die am 30. April 2010 eingeweiht werden konnte und seither durch die Kirchengemeinde gepflegt wird.