Kirche Gnevkow

kurz&knapp:  Der verputzte Feldsteinbau wurde im 15. Jh. auf einer kleinen Anhöhe errichtet. Ursprünglich war die Kirche mit einem hölzernen Turm versehen, den man im 18. Jh. entfernt hat. Die Erneuerung des Westgiebel fällt in die selbe Zeit. Ein besonderes Kleinod ist der Kanzelaltar. In ihm sind Elemente eines ehem. Schnitzaltars mit 18 Heiligenfiguren (1. Hälfte d. 16. Jh.) und ein Kanzelkorb (17. Jh.) vereint.

Der Ort Gnevkow
Gnevkow wurde 1268 erstmals erwähnt und gehörte damals zum Besitz des Klostes Ivenack. Nach der Säkularisation in der Reformationszeit ist die Ortsgeschichte eng mit der Entwicklung des Gutes verbunden, das Staatsdomäne war. Die Verwaltung lag beim Domänenamt in Klempenow.
Pfarramtlich war Gnevkow stets Filialdorf zu Hohenmocker. Nur in den Jahren 1970 – 1996 gehörte Gnevkow vorübergehend zum Pfarramt Gültz.

Baubeschreibung
Die heutige Kirche wurde im 15. Jh. errichtet und kam nach der Einführung der Reformation (in Pommern 1535) unter königliches Patronat, verwaltet durch das Domänenamt in Klempenow.
Die Gnevkower Kirche ist ein einfacher, rechteckiger, im Kern
spätgotischer Findlingsbau. Der Ostgiebel besteht aus Backstein und weist Blendschmuck auf. Infolge vielfältiger kleiner und größerer Reparaturen entstand über die Jahrhunderte ein Mischmauerwerk, das heute verputzt ist.
Das Eingangsportal liegt an der Südseite und fällt durch seinen vorgelagerten Spitzbogen auf, ähnlich wie im benachbarten Letzin. Weitere, heute verschlossene Portale liegen rechts neben dem Eingangsportal, sowie am Westgiebel. Von den fünf Fenstern ist nur das im Ostgiebel noch unverändert.
Im Zuge früherer Sanierungsarbeiten wurde auch die kleine Nische im Ostgiebel wieder geöffnet. Wahrscheinlich stand hier einmal eine Heiligenfigur (siehe auch Letzin).

Sanierungsarbeiten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Der bauliche Zustand der Kirche bereitete schon so manches Mal Sorgen. So lehnte der Demminer Bauinspektor Nikolai 1866 einen Erweiterungsbau nach Westen aus Sicherheitsgründen ab und ließ das Geld in die Sanierung der Kirche investieren. Nach der Wende waren wieder umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. Diese wurden duch zahlreiche Spenden und die Aufnahme in das Notsicherungsprogramm der DSD ermöglicht. In den Jahren 1999 – 2002 wurden das Fundament, die Mauern und das Dach erneuert oder instandgesetzt, sowie neue Fenster eingebaut. Anschließend wurde am Westgiebel ein neues Kreuz mit den Maßen 1,50 m x 1,00 m angebracht.
In einer 2. Bauphase 2002 kümmerte man sich um die Restaurierung der Grüneberg-Orgel.

Innenraum und Ausstattung
Der Eindruck im Innenraum wird heute durch den prächtigen Altar und das Gestühl dominiert. Einst waren die Kirchenwände reich verziert, wie eine Sondierungsuntersuchung 1997 ergeben hat. Mittlerweile liegen die Malereien unter bis zu 11 Schichten Kalk verborgen, auch wenn einzelne Musterflächen freigelegt sind.
Der Altar stammt aus der Kirche Hohenmocker. Im Jahr 1757 musste der dortige mittelalterliche Flügelaltar aus dem frühen 16. Jh. einem neueren Altar weichen, ebenso die Kanzel und der Beichtstuhl. Bei der Aufstellung in der Gnevkower Kirche entfernte man jedoch den Mittelschrein und setzte stattdessen die Kanzel ein („Kanzelaltar“). Die Figuren des einstigen Mittelschreins stellte man um die Kanzel und den Altar auf. Zu erkennen sind zwei Madonnendarstellungen mit Kind (die ältere aus dem 14. Jh. ist in ihrer Herkunft ungewiss), sowie die beiden zu ihren Füßen knieenden Stifter des Altars.
Sehenswert ist außerdem ein Weihwasserbecken aus vorreformatorischer Zeit, das bei genauem Hinsehen eine ausgediente Steinmühle ist (siehe Bild).

Orgel und Glocke
Bis 1757 hatte die Kirche einen hölzernen Glockenturm, der wegen Baufälligkeit abgenommen wurde. Seitdem steht auf dem Kirchhof ein Glockenstuhl. Die kleine Glocke wurde 1827 vom Glockengießer Schwenn in Stettin gegossen und ist 2006 restauriert worden.
Die Orgel ist ein einmanualiges Instrument mit 270 Pfeifen. Sie wurde 1882 von Orgelbaumeister Barnim Grüneberg aus Stettin mit gotischem (klingendem!) Prospekt erbaut und ist sein „opus 327“. Die zur Restaurierung im Jahr 2002 nötigen Mittel kamen von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Demmin. Die Prospektpfeifen wurden wieder in ihrem Originalzustand hergestellt, da die Zinnpfeifen im 2. Weltkrieg zur Munitionsherstellung eingezogen wurden.

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