Roidin

Das Dorf Roidin liegt malerisch und ruhig am Rande des Tollensetales. Von der ehemaligen Gutsstruktur des Dorfes zeugt neben der Kirche (1874) das leerstehende Gutshaus (1860) in der Ortsmitte. Etwas außerhalb des Ortes, am Ostener Damm,  befindet sich die alte Wassermühle (1805), die als Pachtmühle seit jeher zum Gut gehörte.

Die Geschichte des Ortes und der Kirche waren eng mit dem herzoglich-pommerschen Besitzer des nahegelegenen Burggutes Osten verbunden. Besitzer dieses Lehngutes und der Grundherrschaft war mit Unterbrechungen über Jahrhunderte das Geschlecht derer von Maltzahn.

Roidin hatte von alters her eine Kirche. Sie gehörte nach der Einführung der Reformation (in Pommern 1535) als Tochterkirche zur Kirchengemeinde Sanzkow, seit 1997 zur Kirchengemeinde Hohenmocker. Sie war ursprünglich eine Patronatskirche derer von Maltzahn bzw. zeitweise des Rittergutsbesitzers Hecht und gelangte im Zuge der  Aufteilung des Gutes (durch Insolvenz ab 1938) in kommunalen Besitz.

Der Vorgängerbau
Der ursprüngliche Standort der Kirche befand sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Mühlbach. Ein Visitationsprotokoll von 1588 weiß von einem Glockenstuhl mit zwei Glocken. Im 30-jährigen Krieg zerstört, wurde die Kirche 1669 in einfachem Fachwerk wieder aufgebaut. Der Zustand war aber bereits 1820 wieder derart schlecht, dass der Gottesdienst angeblich nur unter Lebensgefahr ausgeübt werden konnte, wie ein Visitationsbericht vermerkt. Erst 1866 erfolgten die Vorbereitungen zum Neubau, 1872 wurde mit den Arbeiten begonnen, nun jedoch auf der gegenüberliegenden Seite, etwas hangaufwärts. Die Bauzeichnungen lieferte der Demminer Bauinspektor Kunisch.

Die heutige Kirche
Am 02. August 1874 wurde die neue Kirche durch den Demminer Superintendent Lengrich eingeweiht. Der neugotische Feldsteinbau in romantischer Lage (durch die Verlagerung der Dorfbebauung heute etwas abgelegen) weist eine charakteristische Backsteingliederung auf und ist noch nahezu unverändert. Einzig das Nordportal („Totenpforte“) hat man im 20. Jh. vermauert.
Der Chorraum ist fünfeckig, mit Kreuzgratgewölbe ausgeführt. Der Altar stammt aus dem mecklenburgischen Kirchgrubenhagen, das sich ebenfalls im Besitz derer von Maltzahn befand und seinerzeit eine umfangreiche Neuausstattung erhielt. Das zentrale Altargemälde wurde erst 1874 bei der Aufstellung in Roidin eingefügt. Es stellt die Anbetung des Jesuskindes dar, im Hintergrund sind Mitglieder der Familie von Mahltzahn zu erkennen (siehe Bildausschnitt). Der Künstler Carl Wolff entstammte der Roidiner Tischlerfamilie Wolff, die später nach Teusin übersiedelte und dort eine Tischlerei betrieb. Von dieser Familie wurde vermutlich auch das Kirchengestühl gefertigt (s. auch Utzedel).
Die Empore am Westgiebel wurde auf Initiative des Dorfclubs und der Roidiner Einwohner 2018 instandgesetzt. Die Kirche verfügt über keine Orgel. Ein Harmonium o.ä. wäre wünschenswert.

Friedhof und Glockenstuhl
Die Kirche ist Teil eines mehrgliedrigen Friedhofes. An der Nordwestseite der Kirche befindet sich der Treppenaufgang zum erhöht liegenden, heute verwilderten „Friedhof der Kinder“. Der aktuell belegte Friedhof befindet sich nordöstlich. Unter dem Chorraum befindet sich ein Grabgewölbe, das die Zinksärge mit den  sterblichen Überresten der Roidiner Maltzahns beherbergt.
Die Roidiner Kirche wurde seinerzeit ohne Turm erbaut. Stattdessen steht seit 1995 ein hölzerner Glockenstuhl in der Nähe der Kirche. Die Inschrift zeugt noch von der alten Schreibweise des Ortes: „Reudin 1834“ (s. Bild).

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