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Andacht zum Sonntag Kantate

Stichwort: Die Seele singt

Es gab eine Zeit vor der Orgel. Doch wie kam Musik in die alten Mauern? Es war ganz einfach: Man hat gesungen.

Gräfin Dönhoff erinnert sich in ihren „Kindheitserinnerungen aus Ostpreußen“ an die Zeit, als man musikalisch „Selbstversorger“ war. Von überall her ertönten gemeinsame Gesänge – von den Leiterwagen zur Erntezeit ebenso wie aus den traurigen Kolonnen der Zwangsarbeiter. Als Radios und Schallplatten aufkamen, verschwand der Gesang allmählich aus der Landschaft. Welch ein Verlust.

Das ursprünglichste Instrument, das uns zur Verfügung steht, ist die eigene Stimme. Es ist erstaunlich, welche Klänge unser Körper hervorbringt. Jede Stimme klingt anders. Von den Melodien, die wir hervorbringen ganz zu schweigen. Sie sind so wechselhaft wie unser Gefühlsleben. Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wörter „Stimmung“ und „Stimme“ so eng verwandt sind.

Die christliche Gemeinde ist ein Chor. Hier sind unterschiedlichste Stimmen vorhanden, hier nimmt ein Mensch Rücksicht auf den anderen, man hört einander zu und leistet seinen Teil zum Gelingen des Ganzen. In der Liturgie feiert die Gemeinde die Anwesenheit Gottes, in den Chorälen die Lebenskraft des christlichen Glaubens. Hier treffen Menschen mit dankbaren Herzen aufeinander, um dem Schöpfer ein gemeinsames Loblied zu singen. Das Ergebnis ist erhebend: ein Klang, der die Gewölbe füllt.

„Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.“ (Ev. Gesangbuch 302)

mit herzlichen Grüßen aus Hohenmocker, Pastor Chr. Bauer